Donnerstag, 19. April 2018

Ein Dirndl für den Maibaum

Letztes Jahr zum Maibaumsingen hatte ich etwas Wichtiges vergessen. Das Wichtigste überhaupt. Zum Maibaumsingen da trägt die modebewusste junge Frau nämlich ein Dirndl. Töchterlein konnte sich nämlich noch erinnern, wie unglücklich sie vor zwei Jahren in ihrem Nicht-Dirndl gewesen war. Leider ist unser Leben in den letzten Jahren sehr stressig. Als Alleinerziehende hab ich alle Zeit der Welt bei der Scheidung abgegeben, darum hab ich auch ständig das Gefühl, allem und jedem hinterher zu hetzen. Meine Tochter ist sehr sensitiv und was auch immer gerade damals am Plan stand, sie nahm ihren Wunsch nicht wichtig genug. Bis er sich dann glücklicherweise doch an die Oberfläche gedrängt hat, einen Tag vor der Maifeier...

Hm, ja. Ich näh einigermaßen flott, aber so flott dann auch wieder nicht.

Wieder glücklicherweise haben wir sehr gute Freunde und mein Mädchen durfte sich ein Dirndl von ihrer Freundin ausborgen. Damals habe ich den tränengefüllten Äuglein (ich gebs zu, alle meine Kinder kennen meinen wunden Punkt ;) ) hoch und heilig versprochen, im nächsten Jahr wird sie ein selbstgenähtes Dirndl von mir bekommen.

Mutig, mutig von mir ein Jahr im Voraus solche kühnen Versprechungen zu machen. Vor allem, da ich noch nie ein Dirndl genäht habe und nur die Handarbeitsunterricht-Horrorgeschichten meiner Mutter und von Freundinnen gehört habe. Je näher das Maifest also rückte, umso komplizierter stellte ich mich. Ich kenne dieses Verhalten von mir, das Hinauszögern. Zuerst ramsche ich meinen Nähtisch voll. Natürlich nicht offensichtlich, sondern klammheimlich. Dann verwüste ich Schritt für Schritt den Rest des Zimmers. Und schließlich sehe ich mir das Chaos an und denke: "Ich würde ja wirklich unheimlich gerne nähen, aber zuerst muss ich hier aufräumen." Und leider leider hab ich dann überhaupt keine Zeit dafür, die Kinder brauchen frische Wäsche oder es kommen Gäste oder jemand braucht Hilfe bei seinem Referat oder oder oder... 
Kennt ihr das auch?


Und dann hat das Leben urplötzlich entschieden, mich wieder in Schwung zu versetzen. Mein Jüngster hat sich am Montag einen Zahn abgeschlagen (er ist mit einem Freund unglücklich zusammengestoßen, einfach ein Pech). Meine Zahnärztin, die ich liebe, hat ihre Praxis am anderen Ende der Stadt, da bin ich dann schon mal einen ganzen Nachmittag unterwegs. Der Draht, der als Stabilisierung hineingeklebt wurde, hat nicht gehalten, und wir waren am Mittwoch wieder dort. 


Abends hab ich bei meinem Großen eine Auswölbung am Oberschenkel entdeckt und wir waren in einer Nachtambulanz. Nach dreistündiger Wartezeit empfing mich der junge Arzt mit großen Augen, um mir zu erklären, er hätte so etwas noch nie gesehen und ich sollte dringend in einer Tumorambulanz vorstellig werden. Die restlichen 2 Stunden der Nacht hab ich kaum geschlafen, hauptsächlich gezittert. Zum Glück konnte ich auf der Tumorambulanz vom Oberarzt wieder beruhigt werden, eine Exostose wurde mir gesagt, kommt vor, eine Laune der Natur. MR-Termin ausmachen und dann weiter besprechen, wann die OP gemacht wird. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ganz überwunden hatte ich meinen Schock aber nicht, in der darauffolgenden Nacht muss ich stark Zähne geknirscht haben, jedenfalls fiel mir morgens eine Plombe in den Schoss. Also am Freitag zurück zur Zahnärztin.


Nachmittags alle Kinder abgetastet, ob noch irgendwo Exostosen zu finden sind und an meinem Töchterlein am Brustkorb eine Auswölbung gefunden. Der Kinderarzttermin am kommenden Montag  stand ohnehin schon fest. 


Und plötzlich erschien mir das Dirndl zu nähen eine wunderbare Entspannung zu sein. Es ging auch wie von selbst und ich hab den Großteil des Wochenendes hinter der Maschine verbracht. Lustigerweise war auch das Chaos in meinem Zimmer plötzlich nicht mehr unüberwindbar sondern ziemlich schnell erledigt. Die Kinder waren friedlich, spielten neben mir auf dem Bett miteinander und dazu hörten wir ein Hörbuch. Die leuchtenden Augen meiner Tochter, als das ersehnte Kleid fertig war (wo wir schon beide nicht mehr daran geglaubt hatten), war Balsam für meine Seele.


Einige Arzttermine später wissen wir, diese Auswölbung am Brustkorb ist einfach nur ein Knorpel am Rippenbogen, der ein bisschen anders wächst als sein Gegenpart und absolut unbedenklich. Der Zahn meines Jüngsten wird, so wie es aussieht, lebendig bleiben und in einer Woche eine Plombe bekommen. Mein Großer, der glücklicherweise keine Schmerzen hat, hat das meiste noch vor sich, hält sich sehr tapfer und trägt das alles mit Fassung. Er wird nach der OP voraussichtlich 4 Wochen mit Krücken gehen müssen, aber ganz genau weiß man das erst, sobald die Ärzte operieren. Das wird dann Mitte August sein. Ich hab zwei neue Plomben und beschlossen, meinen 9er, ein zusätzlicher Weisheitszahn, der im Kiefer über einem 8er verborgen sitzt, aber jetzt gerade nach außen drängt und mein Kiefer rebellieren lässt, solange zu ignorieren, bis ich wieder Zeit für so einen Unsinn habe. Kieferoperation, mein ich damit. Übrigens tut es auch schon viel weniger weh, seit ich das entschieden habe.


Ich bin froh und dankbar. Ich bin froh darüber, dass bei weitem nicht alle Ängste, die mich befallen, real sind. Und ich bin dankbar für die Menschen in meinem Leben. Die letzte Woche hat mir gezeigt, wie stark das soziale Netz ist, in das wir eingebettet sind. 

Danke, Mama, dass du da bist, wenn ich dich brauche und dass ich dich immer anrufen kann und du mir wieder aufhilfst, wenn ich stolpere.

Ich bin dankbar für unsere Freunde, für die Menschen, die in meiner Umgebung leben, die mich alle unterstützt haben und ohne die ich nicht gewusst hätte, wie ich die ganzen Termine der Kinder unter einen Hut bringen kann. Danke, dass ihr zuhört und eure Geschichten mit mir teilt, dass ich spüre, dass ich nicht alleine bin.

Danke besonders auch dir, Barbara, deine helfenden Hände und tröstenden Worte sind mir Gold wert!

Ich bin dankbar, dass meine Kinder in der Schule gute Freunde gefunden haben, dass da Erwachsene sind, denen ihr Wohl so am Herzen liegt, dass sie gut aufgehoben sind und ich gleichermaßen dabei Unterstützung erleben darf.

Und nicht zuletzt bin ich dankbar, dass es meine Kinder gibt, dass sie glücklich sind und zu großartigen Menschen heranwachsen und trotz oder weil der widrigen Umstände, die sie alle mit mir erlebt und überwunden haben, so positiv sind, voller Zuversicht, kreativ und so voll Freude für ihr eigenes Leben (abgesehen davon, dass mein Jüngster natürlich immer gerne dieses oder jenes hätte und es mit lautstarkem Gejammer sehr hartnäckig und mit großem Durchhaltevermögen kund tut - aber hey, der Junge ist willensstark und kann auf sich Aufmerksam machen, das ist auch nicht grad schlecht ;) ).

Und YES - ich hab ein Dirndl genäht. War gar nicht so schwer. Eigentlich. :)

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!
Eure Ena


Schnittmuster: Dirndlrevue 2009 Modell 21

Montag, 16. April 2018

Licht malen

Kennt ihr diese Mal-Tutorials auf Youtube? Da gibts ganz viele von Bob Ross oder von Kevin alias KevinOilPainting. Das sind zum Beispiel zwei Herren der Schöpfung, die mit ganz ruhiger bassiger Stimme erklären und vorzeigen, wie man bestimmte Maltechniken anwenden kann. Ich hab da vorletztes Jahr schon einen Versuch gestartet ein Bild nach so einem Tutorial zu malen (hier) und war nicht sonderlich vom Ergebnis begeistert. Damals hatte ich den Anspruch, im gleichen Tempo mit Bob Ross mitzumalen und das war keine gute Erwartungshaltung. Dennoch hat das Bild einen glücklichen neuen Besitzer gefunden, was mich sehr gefreut hat.

Es sollte also wieder ein Bild nach einem Tutorial werden - das Ziel: Licht malen, das durch Bäume fällt. Das passende Tutorial von Kevin war bald gefunden. Aber weil ich aus meinen Fehlern beim letzten Mal gelernt habe, nahm ich mir diesmal ausreichend Zeit für die einzelnen Malschritte. Hab oft zurück gespult und insgesamt für das 20 minütige Tutorial etwa 2 Stunden gebraucht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und hat mir soviel Freude gemacht, dass ich mir vorstellen kann, wieder auf diese Weise zu üben.

Der Masterplan, eine 100x80 cm große Leinwand mit dem Motiv "Licht fällt durch Baumkronen" zu bemalen, darf ruhig noch ein wenig auf die Umsetzung warten ;)

Und nun spann ich euch nicht länger auf die Folter, hier ist das Bild:


Und nachdem ich zwei Stunden dem guten Kevin zugesehen hab, wie er "nice and easy" vor sich hinmalt und dabei predigt, wie wichtig es ist, dass man weiß, wo das Bild "hingehen" soll, gönnte ich mir nach der langen planlosen Verwirrung, die ich bei dem Tutorial empfunden habe, dann auch zwei für mich einfache Bilder.


Sonntag, 25. März 2018

"Wie die Zeit vergeht" und "Neue Hausbewohner"

Nichts neues Selbstgenähtes, aber weil ich es so gern hab, dass die Kleidung, die ich früher genäht hab, heute noch getragen wird, ein Re-Post sozusagen:

Ursprünglich für meine beiden Söhne genäht, tragen es jetzt meine Tochter und mein Patensohn:


Diese Kombi habe ich vor 6 Jahren schon einmal hier gezeigt.

Mein Sandwichkind ist deutlich größer als mein Ältester damals war, das merkt man dann an der Kleidung besonders gut.


Und das ist unser neuester Familienzuwachs: 3 Achatschnecken - Nachwuchs der Schnecke Fridolin aus der Mehrstufenklasse meines Jüngsten. Sie heißen Frido, Schnecki und Gurke.


Freitag, 23. März 2018

Barockes Kostüm

Darf ich vorstellen? 

La Comtesse de Baraque:



Rock nach eigenem Schnitt, Corsage und Dirndlbluse.

Mittwoch, 21. März 2018

Strampelina als Willkommensgeschenk

Wie versprochen, melde ich mich zurück :)

Das erste Nähwerk von 2018 durfte ein ganz besonderes winziges Set werden: Ein Willkommensgeschenk für meine (derzeit) jüngste Nichte. Dafür hab ich zwei heißbeliebte Streichelstöffchen angeschnitten, die ich seit sicher 9 Jahren besitze und mittlerweile sind meine eigenen Kinder aus dem halben Meter Nicky-Velour herausgewachsen. Wenn nicht jetzt, wann dann, hab ich mich gefragt und entstanden ist diese süße Kombi aus Schnabelinas Schnittmustern Strampelina und Trotzkopf. Weil die kleine Maus gar nicht so klein war, gleich in Größe 62 genäht. Das Blümchen ist nach der Anleitung der Wochentagsblümchen von Farbenmix gearbeitet.

Es hat riesig viel Spaß gemacht, so etwas Herziges zu nähen, aber die kleine Maus dann im Arm zu halten - einfach unbeschreiblich!












Habt einen feinen Tag und liebe Grüße
Ena

Rückblick auf 2017

Turbulent war es, aber trotzdem hab ich ein bisschen was genäht, gemeinsam gebastelt und vor allem viele schöne gemeinsame Stunden erlebt.

Nicht viele Worte heute, aber dafür umso mehr Bilder. Und damit hier wieder ein bisschen Leben auf meinem Blog einkehrt, bald ein weiterer Beitrag aus dem aktuellen Jahr.

Viel Spaß mit den Bildern!

Als erstes zeig ich Euch zwei Westen aus kuscheligem Wellnessfleece, Schnittmuster Farbenmix Fehmarn. Weil die Westen zugeschnitten über ein Jahr rumgelegen sind, hab ich unten angestückelt. Die Ohren hab ich hinzugefügt. Die Applikationen sind mit Nähmaschinen-Stickerei verziert.



Das gute Stück wurde schon ein Jahr lang getragen, als dieses Foto entstanden ist.
Die Lichtreflexe male ich übrigens mit weißer Acrylfarbe auf. Gut einbügeln, dann hält das so lange wie die Weste.



Farbenmix Klein Fanö




Für Fasching eine selbstentworfene Ritterrüstung aus Kunstleder mit Arm- und Beinschienen. Zwei Schwerter finden am Rücken Platz.



Und ein riesiges Kartonhaus haben wir gebaut:


Mit Türen und Fenstern und einem Türknauf.


Zu Ostern ein selbstgebasteltes Memory:



Eine selbstbestrickte Weste nach eigenem Entwurf (nach einem Jahr hat sie jetzt sogar Knöpfe statt einer Haarspange als Verschluss).



Die Kleidung, die ich für meinen Jüngsten genäht habe, trägt nun schon mein kleiner Patensohn. Nicht ganz ohne Stolz gebe ich zu, dass die Qualität vom Selbstgenähten immer noch einwandfrei ist.


Der Große zeigt dem Kleinen wie man Skateboard fährt.


Farbenmix Pitt, gekürzt:




Verabschiedung von der Kindergartenzeit:


Selbstgebastelte Kleiderstange (fehlen nur noch die selbstgenähten Kleider...)


...Wäscheberge ohne Ende... 
Das kennt Ihr sicher!



Zwei kreisrunde Sommer-Röcke für Töchterlein und mich:



Eine neue Ära beginnt - drei Schulkinder, davon zwei Schulanfänger (einmal HTL, einmal Volksschule):


Traditionell gibts zum ersten Schultag Selbstgenähtes. Hier Farbenmix Pitt. (Pullover und Shirt sind selbstgenähte Stücke zum Schulbeginn vom Großen.)



Oberteil: Farbenmix Hilde

(Langsam kann man ein Muster in der Schnittauswahl erkennen...)


Und hier eine Farbenmix Insa für meine Tochter. Definitiv eines meiner Lieblingsschnittmuster...



Unser neues Teeservice aus selbstbemalten Häferln (vom Ik*a):


Rock für die Tochter nach eigenem Schnitt:



Und dann mein Großprojekt für die letzten Monate war ein Mantel für die Puppe. Schön warm, Loden gefüttert mit Vlies und Fleece, mit Goldfaden bestickt. Im Grunde genommen hat das Sticken am längsten gedauert. Gar nicht wegen dem tatsächlichen Zeitaufwand, aber die Überwindung war diesmal sehr groß. Beim Tun selbst hatte ich aber sehr viel Freude.


Der Mantel ist ein abgewandeltes Farbenmix Schnittmuster (was sonst haha) und zwar Tinka-Bella. Er ist so groß gemacht, dass er sicher noch ein bis zwei Jahre mitwachsen kann. Die Leggins ist auch selbstgenäht und zwar aus Stretch-Jeansstoff.


Leider hab ich keine richtig guten Bilder gemacht, aber man bekommt hoffentlich eine Vorstellung davon. Ja, die Haare sind grün - die Bilder sind schon aus Februar 2018 - eine Tönung für Fasching.


Meine Räubertochter ist jedenfalls sehr glücklich damit. Und mein Jüngster möchte jetzt auch einen Mantel haben. Der liegt auch schon brav ausgeschnitten seit zwei Monaten auf meinem Nähtisch *facepalm*.



Man könnte denken, ich bekomme etwas von Farbenmix dafür, dass ich hier so brav die Schnittmuster bewerbe, aber das ist nicht der Fall. Tatsächlich ist es so, je weniger Zeit ich habe, umso lieber greife ich auf diese Schnittmuster zurück, weil sie rasch und ohne große Schwierigkeiten verarbeitet werden können. So muss ich bei meiner knapp bemessenen Zeit weniger Stunden mit Ausschneiden und Verständnis der Anleitung aufbringen und hab mehr Nähvergnügen.

Was sind Eure Lieblingsschnittmuster und warum?

Liebe Grüße
Ena